Jugendorchester Baden-Baden seit 1957
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50 Jahre JUGENDORCHESTER BADEN-BADEN

 

 

 

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Orchester

Das Jugendorchester Baden-Baden hat eine bereits bei der Gründung sehr interessante Geschichte: Der Musikstudent im Fach Dirigieren Norbert Nohe begann sein Studium im Frühjahr 1957 an der damals städtischen Musikhochschule Karlsruhe. Sein Dirigierlehrer, der den Unterricht an 2 Klavieren mit Schülern, die alle möglichen Stücke vierhändig oder an 2 Klavieren für die Dirigierschüler spielen mussten, hatte die Idee, man solle ein Jugendorchester gründen, um damit besser arbeiten zu können. Schnell waren Mitstreiter mit dem Geiger Dieter Baal, dem Geiger Uwe Blaurock,  dem Oboisten Karl Nagel und dem Cellisten Karl Holfelder gefunden, die das Jugendorchester irgendwann im März 1957 zu gründen beschlossen. Die erste Probe fand unter Norbert Nohe am 17. Juni 1957, dem damaligen Feiertag (Tag der Deutschen Einheit) im Pfarrhaus der Evangelisch Lutherischen Kirche in der Ludwig - Wilhelm - Straße statt. Man begann mit Barockmusik. Es wurde eine regelrechte Einrichtung, an einem bestimmten Wochentag abends zu proben. Zunächst hatte man keinen festen Probenraum und musste daher in Privatwohnungen, die groß genug waren, probieren. Bald gab es eine Möglichkeit im neu gegründeten Haus der Jugend in der Stefanienstraße gegenüber dem BT.
Für das erste Konzert, das im Frühjahr 1958 dort stattfand, spendierte das Forstamt Baden-Baden durch persönliche Beziehungen einen Baum, aus dessen Brettern man ein Podium baute, das aufzubauen 2 Tage dauerte. Es wurde nur einmal beim ersten Konzert verwendet und später nie mehr aufgebaut. Die Finanzmittel des Orchesters waren gleich null und man musste aus privaten Quellen jedwede Ausgaben bestreiten. Es war die Frage, ob man einen Verein gründen solle. Vorstände waren schnell gewählt. Es gab auch einen Kassierer, der nicht einmal die Strafgebühr bei zu spätem Probenbesuch oder sonstigen "Vergehen" eintreiben konnte. Daher gab es schnell keinen Kassenwart mehr.
Die notwendigen Arbeiten der Organisation und alle Kleinarbeiten wurden von Norbert Nohe und Karl Nagel erledigt. Man machte auch Vorstandssitzungen, wo viel geredet aber wenig erreicht wurde. Der gute Weinkeller im Hause Nohe wurde dabei sehr in Mitleidenschaft gezogen.
Das Orchester war in Baden-Baden überhaupt nicht bekannt, auch wenn Kritiken vom ersten Konzert mit Werken von Mozart erschienen waren.
Man hatte noch keinen Draht zur Presse, was dingend nötig gewesen wäre. Es gab von Anfang an keinen Mitgliederbeitrag. Die Musiker waren verpflichtet, unentgeltlich zu spielen. Die Proben waren meist an einem Donnerstag - Abend, weil das Haus der Jugend nicht von anderen an diesem Abend benutzt wurde. Jede Probenverlegung war ein Hexenwerk.
Ab dem Jahr 1958 machte Karl Nagel intensiver im Orchester mit und war jetzt auch Student für Oboe und Dirigieren in Karlsruhe. Man hatte einen recht guten ersten Oboer mit ihm. Für die 2. Oboe wurde ein Profi für ganz wenig Geld gekauft. Es gab mittlerweile immerhin einige Spender, so dass man nur noch jede Mark, nicht mehr jeden Pfennig umdrehen musste. Der Solohornist des SWF- Sinfonieorchesters Karl Arnold war bei den meisten der frühen Konzerte kostenlos im Einsatz. Ein Amateur versuchte das 2. Horn zu spielen.
Leider verstarb Alexander Krannhals, der damalige GMD des Karlsruher Staatstheaters schon 1961, was auch für die Dirigierschüler ein ganz schwerer Schlag war. Nach einem Interregnum mit Kapellmeister Frithjof Haas, wurde der neue GMD Arthur Grüber der Dirigierlehrer an der immer noch städtischen Hochschule.
Norbert Nohe bekam recht früh eine Position als Ballettkorrepetitor am Staatstheater und konnte nicht mehr alle Proben des Jugendorchesters  leiten. Da sprang Karl Nagel ein. Er hatte mittlerweile Oboenunterricht bei Fritz Strowitzki, dem 2. Oboer beim SWF- Sinfonieorchester Baden-Baden. Dadurch ging es beim Oboenspiel stets aufwärts. Irgendwann 1963 übernahm Karl Nagel das Jugendorchester Baden-Baden ganz, da Norbert Nohe durch seinen Beruf immer weniger zur Verfügung stehen konnte. Im Jahr 1962 wurde das Orchester Mitglied der Jeunesses musicales Deutschland. Das brachte keinerlei Vorteile, auch pressemäßig nicht. Irgendwann begannen die Proben für das Orchester, das wegen der Belastung aller Mitspieler selten an an einem bestimmten Wochentag stattfinden konnten, in irgendwelchen Räumen des Kurhauses zu sein. Dort gab und gibt es einen Hausmeister und die alte Bäder und Kurverwaltung und der frühere Kurhausinspektor Dorner-Müller waren dem Orchester sehr wohlgesonnen. Alle Konzerte konnten dann auch völlig kostenfrei im damaligen "Gartensaal" heutigen Weinbrennersaal des Kurhauses stattfinden. Der Flügel wurde kostenfrei gestimmt. Für weibliche Solisten stand immer, ohne darum zu bitten, ein Blumenstrauß der Kurhausgärtnerei kostenfrei zur Verfügung. Das entfiel alles als Herr Dorner-Müller in Rente ging und 1994 die alte BKV aufgelöst wurde und Theater und das damalige Sinfonie - und Kurorchester der Stadt zufielen. Ab 1994 änderte sich auch für das Jugendorchester sehr schnell alles. Man musste den Flügelstimmer selbst bezahlen, Blumen gab es natürlich keine mehr und ein Betrag für die Benutzung des Weinbrennersaales wurde fällig. Schon viel früher machte das Orchester seine Proben in der Aula des Gymnasiums Hohenbaden, wo Karl Nagel mindestens 25 Jahre Nebenlehrer war. Der damalige Direktor Meßmer, der dem Orchester und Karl Nagel sehr gewogen war, sorgte dafür, dass das geschehen konnte. Er leitete jahrelang auch das Schulorchester, das bei jedem wichtigen Anlass, auch, wenn es fast keinen Nachwuchs gab, einsatzbereit war. Viele der dann schon sehr gut agierenden Musiker kamen auf diese Art zum Jugendorchester und steigerten ihre Leistungen. 1966 bekam Karl Nagel eine Ballettkorrepetitorenstelle am städtischen Theater Mainz. Dadurch mussten die Proben künftig am Samstag oder Sonntagen vormittags stattfinden. An diesen Tagen war dort meist Ballettfrei und Karl Nagel hatte Zeit, an diesen Tagen die Proben zu machen. 1955 ist der Vater von Karl Nagel gestorben. Seine Mutter 1957. Ab November 1957 war er damit mit 20 1/2 Jahren Vollweise.
Karl Nagel machte von 1960 bis 1970 Dirigentenkurse in Salzburg am Mozarteum und hatte viel damals prominente Dirigenten als Lehrer, so Lovro von Matacic und Hermann Scherchen sowie Carl Melles und viele andere. Das beste am 5 wöchigen Dirigentenkurs waren die vielen Möglichkeiten auch ganz unbekannte Werke von Mozart zu hören oder kostenfrei Generalproben für große Opern im 1960 eröffneten neuen Großen Festspielhaus zu besuchen. Ganz wichtig waren die immer in der letzten Woche stattfindenden Gastdirigierkurse von Herbert von Karajan. Was dieser ganz hochverehrte große Mann da von sich gab und wie er mit den Schülern arbeitete, war oft mehr wert als der ganze Kurs. Karl Nagel hatte das große Glück, bei Herbert von Karajan 1970 etwa 40 Minuten dirigieren zu dürfen. Die anderen Studenten waren etwa 10 Minuten am Werk.
1964 begann Karl Nagel immer am 26.12. um 17.00 Uhr Barockkonzerte in der Altkatholischen Spitalkirche durchzuführen. Die Zahl der Konzerte in Altenheimen, Rehakliniken und auch auswärts wurden im Lauf der Jahre enorm gesteigert. 2006 gab es 10 Barockkonzerte. Das wesentliche bei diesen Konzerten mit oft 7 Solisten ist immer, dass Orchestermitglieder, die die Fähigkeit haben, dabei solistisch auftreten.
Während alle musikalischen Aktivitäten im Jahr ohne Honorar gespielt werden, erhalten die Solisten dieser Konzerte ein ganz geringes Anerkennungshonorar. Der Rest von dem meist bescheidenen Orchesterhonorar wandert in die Orchesterkasse, da es kaum Spender gibt.
1968 fanden  im Innenhof des Neuen Schlosses kostenfrei von der königlichen Hoheit Senior genehmigt, in all den Jahren bestens besuchte Serenaden oft sogar 5 mit hauptsächlich Werken von Mozart statt. Da für den Kauf von Noten über die USA für die gespielten Mozartwerke, kein Geld vorhanden war, hat Karl Nagel eigenhändig viele Deutsche Tänze, Märsche und kleine Sinfonien, natürlich die gesamten Orchesterstimmen aus der Partitur abgeschrieben. Diese alten Materiale sind immer noch vorhanden, auch wenn man heute neu herausgegebene Stimmen bei Bärenreiter oder Breitkopf und Härtel zu erschwinglichen Preisen kaufen kann.
Etwa seit 1986 spielte das Orchester jedes Jahr für die Mozartgesellschaft Schwetzingen das Neujahrskonzert. 2007 wurde das Orchester ausgeladen, weil der neue Vereinsvorsitzende einmal etwas verändern wollte. Das gab beim treuen Publikum, das das Orchester jedes Jahr herzlich feierte, viel Ärger und Vereinsaustritte.
Etwa zur selben Zeit gab es Silvesterkonzerte des Orchester mit einem immer spezifischen Programm aus Werken von Johann Strauß, Suppé und anderen Komponisten dieser Art gekoppelt mit Werken der Klassik und Romantik. Die Stadtsparkasse Baden-Baden und auch die Volksbank Baden-Baden Rastatt luden das Orchester immer am 6. Januar zu einem Konzert für die Kunden ein. Die Volksbank veranstaltete die Konzerte zunächst im Oktober und wechselte dann auf die 2. Januarwoche. Das bedeutete für das Orchester einen ziemlich großen Arbeitsaufwand, denn man musste etwa 24 Stücke für diese beiden Konzerte neu einstudieren. Es war unmöglich, bei beiden Banken die gleichen Stücke zu spielen. Ab 1994 war das Orchester erstmals zum Silvesterkonzert in Emden, wo es nach hervorragenden Kritiken und Mundwerbung beim 2. Auftritt im Jahr 1997 ein 5 Wochen vorher ausverkauftes Haus mit 600 Plätzen hatte. Genau so war es bei den Konzerten an den zwei Zwischenjahren in Kempten im Allgäu, wo immer ebenfalls 600 Zuhörer bei 6 Wochen ausverkauftem Haus anwesend sind.
Die Stadtsparkasse erstellt seit 1995 am 6. Januar immer eine CD auf ihre Kosten, die für Kunden zur Verfügung stehen.
Seit etwa 1978 studiert das Orchester regelmäßig neben den Serenadenprogrammen mit viel Mozart und den Barockmusikkonzerten auch die größten Meisterwerke der Weltliteratur ein. Sie werden so exakt und in Einzelproben erarbeitet, wie das ein Profi-Orchester nicht machen kann. Für den Dirigenten Karl Nagel bedeutet das dann an Samstagen und Sonntagen Proben bis zu 12 Stunden jeweils. Mindestens 11 Bläser, die bei Karl Nagel meist 4 Jahre lang als Solobläser im Orchester tätig waren, sitzen seit vielen Jahren in deutschen Top Orchestern. Im Jugendorchester haben sie außer der 9. alle Beethoven-Sinfonien, die 1.und mehrmals die 2. Sinfonie von Brahms, viele großbesetzte Werke von Wagner und besonders alle bekannten Walzer und Ouvertüren von Johann Strauß und Franz von Suppé und ähnliche Werke gespielt.
Im Jahr 2001 musizierte das Orchester zusammen mit Hilary Hahn das Violinkonzert von Brahms. Sie war sehr begeistert und widmete der Zusammenarbeit 4 Seiten in ihrer Homepage. Sie wollte 5 Proben, um sich für eine CD-Aufnahme vorzubereiten. Man hätte nach einer Probe auf die Bühne gehen können. Mit Nicolay Znaider spielte man im Sommer 2003 das Violinkonzert von Tschaikowsky nach 4 sehr intensiven Proben.
Seit vielen Jahren spielen beim Orchester immer wieder junge Profisolisten mit dem Orchester, die schon sehr viel Geld andernorts verdienen, für ganz wenig Geld erstmals in ihrem Leben romantische oder moderne Solokonzerte für Violine, Violoncello oder Klavier mit 4 Proben und Konzert. Die Bedingung ist dabei, daß die Werke noch nicht mit Orchester gespielt wurden. Karl Nagel hat dann immer die Rede parat, dass man anschließend mit den Berliner Philharmonikern das Stück ohne Probe spielen kann, da man es mit dem Jugendorchester ganz genau kennen gelernt hat. Die Pianistin Ewa Kupiec, spielte so 2 Werke erstmals mit dem Orchester, ebenso die Geigerinnen Mirijam Contzen und Arabella Steinbacher. Wenn ein Absolvent an einer Staatlichen Musikhochschule den Abschluss macht, darf er das Stück mit einem 2. Klavier als Begleitung spielen. Wenn er dann ein Engagement beim Städtischen Orchester Wuppertal oder Göttingen bekommt, heißt es, das Violinkonzert g-moll von Bruch oder das Violinkonzert D-Dur von Brahms oder das 1. Klavierkonzert von Tschaikowsky sind Repertoirestücke und es gibt nur eine Generalprobe. Was das für den jungen Solisten, der den Dirigenten nicht kennt, bedeutet, kann man leicht erahnen. Höchstens 60% kann ein solcher Solist dann über die Rampe bringen, statt der 100 Prozent oder viel mehr wie beim Jugendorchester.
Wenn das Orchester zu seinem 50 jährigen Jubiläum am 17. Juni um 11.00 Uhr im Weinbrennersaal mit der Münchner Geigerin MIRA TUJAKBAJEWA das Violinkonzert D-Dur, KV 218 von Mozart und anschließend zum 3. Mal nach 1989 und 1999 die 1. Sinfonie von Gustav Mahler spielt, wird erneut ein Zeichen für die hohe Qualität des Orchesters gesetzt. Alle der sehr vielen Konzerte sind auf Tonträger nachzuvollziehen. Die frühen Aufnahmen wurden vom Ring der Tonbandfreunde, Herrn Werner Grabinger, die neueren Aufnahmen von Frank Wild, ehemals Tonmeister beim Südwestfunk erstellt. Die Aufnahmen beim Festkonzert der Stadtsparkasse am 6. Januar macht seit 1995 Werner Grabinger.    
Das Jugendorchester Baden-Baden erhält, da es kein Verein ist, keinerlei Zuschüsse. Es muss sich sozusagen "selbst ernähren". Das geschieht leider nicht durch Einnahmen bei den vielen Konzerten während eines Jahres, da diese leider alle schlecht besucht sind und die vielen Fahrgelder, die die auswärtigen Mitglieder bekommen, stehen in einem schlechten Verhältnis zu den Einnahmen.
Einnahmen kommen eigentlich nur durch die Konzerte um Silvester in die Kasse, wo man überall für feste Honorare spielt. Damit kann der defizitäre Haushalt ausgeglichen werden.
Seit drei Jahren gibt es einen Förderverein Jugendorchester Baden-Baden, der ein eingetragener Verein ist und für das Orchester auch Geldmittel besonders zum Notenkauf zur Verfügung stellt. Der Direktor der Stadtsparkasse Eduard Freudl setzte sich sehr für diese Gründung ein.
Außerdem ist es eine Besonderheit, dass das Orchester vom Finanzamt Baden - Baden  seit dem Jahr 2003 eine Gemeinnützigkeitserklärung hat und damit selbst Spendenquittungen ausstellen darf. Durch das Regierungspräsidium Karlsruhe ist das Orchester von der Mehrwertsteuer befreit.

Karl Nagel am 9.April 2007